Neuer Arbeitsvertrag: Was muss ich beachten?

Jeder Assistenzarzt in der Schweiz untersteht dem Arbeitsgesetz. Dies gilt auch für Privatspitäler und Kliniken. Ärzte in höheren Positionen sind nicht immer dem Arbeitsgesetz unterstellt. 

 a)      Lohnfortzahlung und Krankentaggeld

Bei Erwerbunfähigkeit infolge Krankheit hat man als angestellter Arzt Anspruch auf eine Lohnfortzahlung von mindestens 3 Wochen im ersten Dienstjahr. Danach folgt in der Regel ein Krankentaggeld.
Die Dauer und Höhe der Krankentaggeldversicherung variiert je nach Arbeitgeber. Es gibt Spitäler die kein Krankentaggeld anbieten. In diesem Fall muss das Krankentaggeld privat organisiert werden.
Für Mediziner (Ärzte, Zahnärzte, Veterinäre) existieren dazu sehr günstige Sonderlösungen.

 Beispiele für Erwerbsunfähigkeitsversicherung:

  • Velounfall: Ein junger Arzt verunfallt während einer Pause zwischen zwei Stellen. Obwohl er bereits den Arbeitsvertrag des neuen Arbeitgebers unterzeichnet hat, kann er die neue Stelle aufgrund der Unfallfolgen nicht antreten. Der neue Arbeitgeber kündigt ihm deshalb rechtmässig. In diesem Fall hilft die Taggeldversicherung weiter und überbrückt die Zeit bis der junge Arzt wieder arbeitsfähig ist.
  • Pause zwischen zwei Stellen: Bei einem Unterbruch von mehr als 30 Tagen zwischen 2 Stellen ist Vorsicht geboten. Worauf müssen Sie achten? Welche Vorkehrungen müssen Sie  treffen? Swiss Independance gibt gerne Auskunft.

 

 b) Unfallversicherung

Der Arbeitgeber ist verpflichtet, für den Arbeitnehmer eine Unfallversicherung abzuschliessen. Bei einem Arbeitspensum von mehr als 8 Stunden in der Woche deckt diese Versicherung auch Nichtberufsunfälle in der Freizeit ab. Bei weniger als 8 Stunden muss sich der Arbeitnehmer selber um eine Versicherung für Nichtberufsunfälle kümmern.

Bei Arbeiten, die nach Stundenlohn entgeltet werden, ist in der Regel keine Unfallversicherung inbegriffen.
Nach Vertragsende bleibt im Normalfall die Unfallversicherung für weitere 30 Tage gültig. (Hat man zwischen zwei Assistenzstellen einen Unterbruch von einem Monat, so ist man am 31. evtl. nicht unfallversichert. Bei einem längeren Unterbruch muss man ab dem zweiten Monat eine Unfallversicherung bei seiner Krankenkasse abschliessen.)


 c) Dauer

Die meisten Arbeitsverträge für Assistenzärzte sind befristet auf 1 bis 2 Jahre. Der Vertrag läuft nach dieser Zeit automatisch aus, eine Kündigung ist nicht nötig.

Unbefristete Arbeitsverträge laufen so lange, bis einer der Parteien kündigt.


 d) Kündigung

Einen befristeten Vertrag kann man grundsätzlich nicht kündigen. Nur in gegenseitigem Einverständnis oder aus „wichtigen Gründen“ seitens des Arbeitgebers kann er vorzeitig beendet werden. D.h. wenn man eine mögliche Anschlussstelle hat, welche sich mit der momentanen Stelle um einen Monat überschneidet und man deshalb die momentane Stelle einen Monat vor Vertragsende verlassen möchte, so ist dies nicht ohne weiteres möglich.

Ein Spezialfall ist ein befristeter Vertrag mit der Möglichkeit die Stelle vor dem Ablauf der Zeit zu Verlassen. In diesem Fall steht eine Kündigungsfrist im Vertrag. Bei Unsicherheiten ob man seinen befristeten Vertrag kündigen kann oder nicht, empfiehlt sich eine Nachfrage beim Personalbüro bevor man den Vertrag unterschreibt.

Bei einem unbefristeten Vertrag wird die Kündigungsfrist meistens auf 3 Monate festgelegt. (Falls keine Kündigungsfrist erwähnt ist, beträgt sie im ersten Arbeitsjahr 1 Monat, im zweiten bis neunten Jahr 2 Monate. Zur Sicherheit trotzdem 3 Monate im Voraus kündigen.)

 e) Probezeit

Sofern im Vertrag nichts erwähnt wird, gibt es bei befristeten Arbeitsverträgen keine Probezeit. Falls im Vertrag ausdrücklich erwähnt, gelten die üblichen Fristen: Maximaldauer der Probezeit 3 Monate, Kündigungsfrist in der Probezeit 7 Tage.

Unbefristete Verträge haben automatisch eine Probezeit von einem Monat, auch wenn davon nichts im Vertrag erwähnt wird.


 f) Arbeitszeit

Die 50-Stunden-Woche ist bei Assistenzärzten die Regel. Gleichzeitig ist es auch die gesetzlich geregelte maximale Arbeitszeit. Die tägliche Arbeitszeit kann in Ausnahmen auf bis zu 17 Stunden erweitert werden. Pro Woche hat man Anrecht auf eine zusammenhängende Ruhezeit von 35 Stunden.


 g) Überzeit

Der Arbeitnehmer ist gesetzlich dazu verpflichtet Überzeit zu leisten, sollte dies erforderlich sein. Pro Tag sollte nicht mehr als 2 Stunden Überzeit gemacht werden, pro Jahr nicht mehr als 140 Stunden. Überzeit, welche nicht kompensiert wurde, wird mit einem Zuschlag von 25% ausbezahlt. Ob die geleisteten Überstunden ausgezahlt, durch Ferien kompensiert oder durch Minusstunden ausgeglichen werden ist dem Spital überlassen. Auch hier lohnt es sich nachzufragen.


 h) Nachtarbeit

Als Nachtarbeit gilt in der Regel der Zeitraum von 23 Uhr bis 6 Uhr. Eine Nachtschicht darf maximal 10 Stunden lang sein (inklusive Pause). Besteht aber die Möglichkeit sich hinzulegen, darf eine Nachtschicht auf 12 Stunden erweitert werden. Werden weniger als 26 Nächte pro Jahr gearbeitet ist ein Lohnaufschlag von 25% vorgesehen. Wer 26 oder mehr Nächte arbeitet hat Anspruch auf eine Kompensation von 10% der Zeit der geleisteten Nachtarbeit.

Wenn die Nachtschichten in 7-Tage-Wochen geleistet werden, so hat man im Anschluss Anrecht auf 83 freie Stunden.

Falls die Regelung zur Nachtarbeit im Vertrag ungenau ist, lohnt sich eine Nachfrage beim Arbeitgeber.


 i) Pikettdienst/Bereitschaftsdienst

Assistenzärzte können zu Pikettdienst verpflichtet werden. Der Pikettdienst darf direkt im Anschluss an die reguläre Arbeit beginnen. Mehr als 7 Tage in 4 Wochen darf nur in Ausnahmefällen verlangt werden. Während einem Piketteinsatz darf die Ruhezeit auf bis zu 4 aufeinander folgende Stunden pro Tag reduziert werden.
Grundsätzlich erhält man 12% des Stundenlohns, bzw. 25% wenn man in dieser Woche bereits 45h arbeitet. Wird ein Einsatz geleistet, so zählen der Arbeitsweg und die Intervention als Arbeitszeit.


Muss der Pikettdienst im Spital selber geleistet werden spricht man von Bereitschaftsdienst. Es zählt die gesamte Zeit als Arbeitszeit und muss entsprechend entlöhnt werden. Dies gilt auch, wenn kein Einsatz erfolgt. Nach einem Bereitschaftsdienst muss die tägliche Ruhezeit gewährt werden.

j) Ferien

Die Anzahl Ferientage (20 pro Jahr) sollte im Vertrag vermerkt sein. Es gibt ein Recht auf zwei Wochen zusammenhängender Ferien pro Jahr. Wer mehr am Stück nehmen will ist auf den guten Willen des Chefs angewiesen.

 k) Lohn

Der durchschnittliche Lohn an öffentlichen schweizer Spitälern im ersten Assistenzjahr beträgt zwischen 6000 und 7500 Fr. brutto. Dies liegt vor allem an kantonalen Unterschieden und weniger an der Art des Fachs. Pro Jahr hat man als Assistenzart eine Lohnerhöhung von ca. 150 - 350 Fr. Dies gilt auch, wenn man in ein anderes Fach wechselt. (Der effektive Lohn kann bei einem Stellenwechsel aber trotzdem tiefer werden, wenn man von einem Kanton mit hohem zu einem Kanton mit tieferem Lohnniveau wechselt.)

 l) Ausland: Was muss man beachten?

  • Handelt es sich um einen befristeten oder längeren Aufenthalt im Ausland?
  • Muss ich mich in der Schweiz abmelden? Was wäre in diesem Fall zu beachten?
  • Was passiert mit der AHV? Muss ich eine Vorsorgelücke in Kauf nehmen?
  • Was passiert mit der Pensionskasse?

Swiss Independance AG

Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit  Swiss Independance AG entstanden. Swiss Independance ist spezialisiert auf die Beratung und Betreuung von akademischen Privatkunden im Versicherungs- und Finanzbereich. JDMT arbeitet seit Jahren intensiv mit Swiss Independance und konnte sich von der Qualität und Akkuratheit ihrer Leistungen überzeugen. JDMT und jmed erhalten keine finanziellen oder anderweitigen Vorteile aus dieser Empfehlung.